Arbeitswelt der Zukunft – Annahmen und Implikationen

Wie und warum und welchen Job werden meine Kinder in Zukunft bekommen (oder auch nicht)?

Annahmen und Wünsche eines bekennenden HRlers.

Ich habe 3 Kinder, die älteste ist 3 Jahre alt und die beiden Zwillinge ein halbes Jahr. Aus diesem Grund ertappe ich mich immer öfter dabei, wie ich mich selbst frage: Leistet mein Beitrag Positives zu der Welt, in der meine Kinder leben werden? Das beziehe ich aktuell weniger auf den produzierten Plastik- und CO2-Abdruck, sondern viel eher auf die Entwicklungen in exponentiellen Technologien und deren Konsequenzen.

Da wir uns als Unternehmen im Technologiesektor bewegen, ihn sogar mitgestalten, haben wir unmittelbaren Einfluss auf Menschen, ihre Karrieren und somit auch deren Leben. Darum sollten wir sehr bewusst tun, was wir tun, und uns hin und wieder Raum für Reflexion gönnen. Here we go!

Die Arbeitswelt der Zukunft

Zunächst einmal einige ganz eigene Annahmen zur Arbeitswelt in 20 Jahren:

Ich gehe davon aus, dass bis dahin die Anwendungen der künstlichen Intelligenz viele Aufgaben den Menschen abnehmen werden, und es bei der zu erbringenden Leistung, zumindest im white-collar Sektor (der den blue-collar Sektor, bis auf das Handwerk und Spitzengastro, weitgehend abgelöst haben wird) vornehmlich um kreative und zwischenmenschliche Belange gehen wird. Mit kreativ meine ich nicht Singen und Tanzen, sondern das Lösen abstrakter Probleme und Kreieren neuer Use Cases, aber natürlich nach wie vor Kunst und Kultur. Die kaufmännischen Spezialistenberufe aus Sektoren Finance, Recht, Online Marketing, Audit, etc. werden zunehmend verschwinden, da die lernenden Maschinen fast alles besser in Echtzeit vorhersagen, analysieren, simulieren etc. können.

Es werden in Zukunft Menschen gebraucht, die diejenigen Ausnahmen regeln, die Maschinen nicht regeln können, oder nicht die Freigaben für die automatisierte Regelung haben. Aber es werden weniger Menschen als heute. Wenn Du, lieber Leser, also aktuell einen Großteil Deiner Zeit damit verbringst, A mit B abzugleichen (ob CVs mit Jobs, Bilanzen mit Forecasts oder einfach KPIs), so würde ich persönlich Dir einen baldigen Berufswechsel ans Herz legen.

Der zentrale Schlüssel: Daten

Weitere Annahme: Die Daten werden weiterhin das Gold der Moderne, das Marketing ist bis dahin so ausgeklügelt, dass Prognosen und Targeting extrem akkurat werden, auch weil bis dahin Menschen ihre Daten legal und gegen Bezahlung an Google und Co zur Verfügung stellen. Viele heute noch manuelle Prozesse werden in Zukunft automatisiert über Blockchain geregelt, wie beispielsweise die Erstellung und Speicherung von CVs oder staatlichen Zertifikaten, um Manipulationen vorzubeugen.

Menschen werden die kreativen, sozialen Sektoren als Domäne bleiben, sicher auch einige mehr (Psychologen, Erzieher, Polizisten). Jedoch auch einige weniger. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es noch IT-Entwickler geben wird oder ob es ein Prozess sein wird, den die Maschinen selbst übernehmen.

Wenn das die groben Annahmen zur Arbeitswelt sind: Was wird diese Welt also von meinen Kindern abverlangen und über sie wissen wollen in 20 Jahren?

Ein Bewerbungsprozess im Jahr 2040

Bereits vor dem Gespräch werden – über Analysen der Aktivitäten in sozialen Medien und Interaktionen mit Chatbots etc. – denen, die einen Job vergeben, Annahmen über Interessen und Wertvorstellungen ihrer Kandidaten bekannt sein. Hier erfolgt schon eine erste Bewertung. Das Assessment selbst wird aus Case Studies im virtuellem Raum bestehen, wo die gedankliche Flexibilität, Handlungskompetenzen, Empathie und Kreativität getestet werden. Dafür wird der Bewerber nicht einmal anreisen müssen. Ich weiß nicht, ob daraufhin Menschen oder Diagnosetools die Vorauswahl übernehmen werden. Ich tippe auf Maschinen und bin übrigens auch nicht sicher, wie ich dazu stehe. Gemischt.

Danach wird es nach wie vor ein persönliches Gespräch mit dem Vorgesetzten und demTeam geben, wobei Hierarchien abnehmen werden. Viele werden zu Projektakteuren und weniger zu dauerhaften Häuptlingen wie heute. Darum die Wichtigkeit eines ganzheitlichen Fits. Persönlichkeitsfragebögen? Ich denke nicht. Intelligenztest? Ebenso wenig, die sind bis dato in den Case Studies impliziert. Assessment Center? Nein. Selbst Gruppendynamiken können bestens virtuell simuliert werden.

Das Gute aus Cammio-Perspektive: ganz viele der Entwicklungen der Zukunft nehmen wir vorweg: Wir ermöglichen Auswahlverfahren von der Couch aus (ob Kandidat oder Recruiter), wir nutzen KI bei Persönlichkeitsanalysen und wir ermöglichen authentische, kompetenzbasierte Assessments per Video und stellen den ganzen Menschen und seine Persönlichkeit in den Fokus.

Der Optimismus siegt!

Nun die wichtigere Perspektive: Finde ich all die angenommenen Entwicklungen positiv aus Sicht meiner Kinder? Ich denke ja.

Sie werden insgesamt bessere Chancen auf einen fairen Auswahlprozess haben. Es ist unwahrscheinlicher, dass sie repetitive Jobs haben werden, die einen neugierigen, intelligenten Menschen auf Dauer unterfordern. Sie werden die Welt um sie herum noch aktiver gestalten können, da ihre Tools stärker und intelligenter werden. Ich bin optimistisch und kann, stand jetzt, gut mit dem gezeichneten Bild leben

Kinder, die Welt gehört euch!

Und all den anderen: Happy Hiring!

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