Die Herausforderung
Der Bewerbungseingang bei den Wiener Linien ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Breitere Stellenprofile, wachsende Sichtbarkeit als Arbeitgeberin und KI-gestütztes Bewerben auf Kandidat:innenseite sorgen dafür, dass die Postfächer voller werden. Eigentlich ist das eine gute Nachricht, in der Praxis stellt sie Recruiting-Teams aber vor ein echtes Dilemma.
Wenn Gespräche mit allen geeigneten Bewerbenden zeitlich nicht machbar sind, muss gefiltert werden. Und wer filtert, filtert nach dem, was im Lebenslauf sichtbar ist. Das Problem dabei kennt jede:r im Recruiting. Elisabeth erklärt: „Wenn wir nicht aufpassen, wählen wir am Ende nach Kriterien aus, die im Lebenslauf stehen, obwohl wir wissen, dass sie wenig über die tatsächliche Eignung aussagen."
Dazu kommt ein wachsendes Problem: KI-generierte Anschreiben, automatisch ausgefüllte Tests, austauschbare Bewerbungsunterlagen. Die Frage, wer wirklich hinter einer Bewerbung steckt, wird immer schwerer zu beantworten. „Wir wissen oft gar nicht, wer den Online-Test tatsächlich gemacht hat.“, meint Elisabeth.
"Wir haben oft 200 Bewerbungen und 50 davon passen grundsätzlich. 50 klassische Erstgespräche könnten wir aus Effizienzgründen niemals führen."

Elisabeth Krims
Leiterin Recruiting & Personalmarketing bei Wiener Linien
Die Lösung
Die Antwort der Wiener Linien auf, was wir den Bewerbungs-Tsunami nennen, ist kein weiterer Filter, sondern ein früher, echter Eindruck. Nach einem ersten Screening der Unterlagen, werden die Bewerbenden zu einem strukturierten Video-Interview eingeladen, das sie flexibel von zu Hause aus aufnehmen können. Das Recruiting-Team und die Hiring Manager sichten die Videos in ihrem eigenen Tempo und entscheiden dann, wen sie zum persönlichen Gespräch einladen.
Aus dem anonymen Stapel Lebensläufe wird so eine Galerie echter Menschen, mit Stimme und Motivation.
So funktioniert der Prozess:
Step 01 — Bewerbung geht ein. Eingang im ATS, automatisch synchronisiert.
Step 02 — Einladung zum Video. Die Kandidat:in erhält einen Link und antwortet zeitversetzt von zu Hause.
Step 03 — Gemeinsames Sichten. Fachbereich und Recruiting bewerten gemeinschaftlich.
Step 04 — Live-Gespräch. Die Top-Kandidat:innen werden zum Interview eingeladen.
"Wir haben einen ersten Eindruck, ohne viel Zeit zu investieren oder Termine koordinieren zu müssen."

Elisabeth Krims
Leiterin Recruiting & Personalmarketing bei Wiener Linien
Die Ergebnisse
Seit der Einführung reflektieren die Wiener Linien die Effekte regelmäßig. Der Prozess ist schneller und ressourcen-schonender geworden, die Entscheidungen sind sicherer und die Erfahrung für Kandidat:innen hat sich verbessert.

Hiring Manager treffen heute fundierte Entscheidungen, weil sie Kandidat:innen vorab gesehen haben. Das verkürzt Abstimmungsschleifen und bereichert die Vorauswahl durch einen strukturierten, persönlichen Eindruck.
"Cammio hat unseren Recruiting-Alltag spürbar verändert. Wir filtern nicht mehr ausschließlich nach Lebenslauf. Wir sehen, wer hinter der Bewerbung steckt. Und das ist gerade im öffentlichen Dienst, wo es um Vielfalt und faire Chancen geht, ein riesiger Gewinn."

Elisabeth Krims
Leiterin Recruiting & Personalmarketing bei Wiener Linien
Interne Einführung
Wie bei jeder Veränderung im Auswahlprozess war die Reaktion intern zunächst gemischt. Elisabeth berichtet: „Am Anfang sind viele skeptisch, aber wenn sie die Videos sehen, sind sie schnell überzeugt.“
Besonders Hiring Manager profitieren vom neuen Ablauf. Wer früher nur auf Basis von schriftlichen Unterlagen oder Zusammenfassungen von Recruiter:innen entscheiden konnte, sieht heute den Menschen hinter der Bewerbung selbst. Cultural Fit lässt sich nicht zusammenfassen, er muss erlebt werden.
Bei den Wiener Linien werden alle Bewerbungen in einem Bewerbermanagementsystem verwaltet. Cammio fügt sich nahtlos ein: Einladungen gehen direkt aus dem ATS raus, fertige Video-Interviews landen automatisch im Kandidat:innenprofil. Recruiter:innen wechseln das System nicht, sie bleiben, wo sie ohnehin arbeiten.
"Es geht ja nicht nur um Erfahrung, sondern auch darum, ob jemand ins Team passt und die Vorstellungen und Werte zum Job und zum Unternehmen passen. Und das sieht man im Lebenslauf nicht"

Elisabeth Krims
Leiterin Recruiting & Personalmarketing bei Wiener Linien
Praktische Erkenntnisse
Der naheliegendste Reflex auf einen vollen Posteingang ist mehr Automatisierung: KI-Scoring, algorithmische Vorauswahl, automatisierte Tests. Die Erfahrung der Wiener Linien zeigt aber eine andere Richtung. Wer im öffentlichen Dienst Auswahlentscheidungen begründen muss, Diversität ernst nimmt und wissen will, wer wirklich hinter dem Lebenslauf steckt, braucht keinen weiteren Filter. Was wirklich hilft, ist ein früherer, echter Ersteindruck von Menschen.
"Wir wissen, dass es diese Person ist. Das ist ein großer Unterschied zu vielen anderen Methoden."

Elisabeth Krims
Leiterin Recruiting & Personalmarketing bei Wiener Linien

Die Wiener Linien sind Teil der Wiener Stadtwerke-Gruppe und beschäftigen über 9.500 Kolleg:innen aus mehr als 70 Nationen in rund 100 Berufen — ob in den Werkstätten, auf den Baustellen, im Büro oder im Fahrdienst. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass Wien reibungslos funktioniert und 873 Millionen Fahrgäste im Jahr gut ans Ziel kommen. Was sie antreibt: klimafreundliche Mobilität für eine lebenswerte Stadt mit Qualität im täglichen Service und dem Anspruch, die Mobilität in Wien ständig weiterzuentwickeln.
Branche
Öffentlicher Dienst
Standort
Wien 🇦🇹
Größe
5.000 - 10.000 Mitarbeiter:innen








